Liebe Brüder, treue Gefährten
Ein weiteres Jahr ist ins Land gezogen nachdem der Herr uns seine Güte erneut offenbart hat und uns das Land zur Gründung unserer Kommende kampflos überlassen wurde.
Doch weitere Zeit zur Musse scheint uns nicht vergönnt da bereits die nächste Prüfung auf uns wartet. Jüngst erreichte mich ein Schreiben von unserem geliebten Grossmeister Roger de Moulins aus dem heiligen Land, in welchem er sich persönlich an unsere junge Kommende wendet.
Seinen Schilderungen nach schwelt die Saat einer Verschwörung in Jerusalem, dem heiligsten aller Orte auf Erden. Wie einige unserer zuverlässigen Augen vor Ort berichten, scheint die Herrschaft des vom Aussatz gezeichneten Königs von Neid und Missgunst umgeben zu sein - die Zeichen stehen zunehmend auf Verrat und ein innerer Konflikt unter den hohen Häusern droht zu einem offenen Feuer auszubrechen. Als wäre dies nicht Grund zur Sorge genug, gelingt es den umliegenden ungläubigen Völkern immer mehr Stämme zu vereinen die ihren geballten Zorn auf unseren rechtmässigen Anspruch der heiligen Stadt richten.
In seiner vorausschauenden Weisheit hat der Grossmeister in stiller Übereinkunft mit einigen dem Orden wohlgesonnenen Edlen die nicht genannt werden sollen beschlossen einer zahlenmässigen Unterlegenheit zuvorzukommen und eine Streitmacht zu entsenden, die bereits im Sommer des nächsten Jahres ihren Weg über die Alpen antreten soll.
Als nächstgelegene Zunge haben wir den Auftrag erhalten, einen möglichen Platz für ein geeignetes Heerlager ausfindig zu machen, in welchem sich die vereinten Truppen vor der geschlossenen Überquerung sammeln können. Dazu werden wir uns in eines der entlegensten und unerschlossensten Regionen der hiesigen Bergwelt begeben in der wir komplett auf uns allein gestellt sind. Da wir aus Mangel an Mitteln von jeglicher Unterstützung abgeschnitten sind, bitte ich unseren Verbündeten und Freund, den Herrn von Schönenberg uns mit seinem Gefolge zu unterstützen und für uns selbst auf dieser wichtigen Mission ein Basislager mit Tross sicherzustellen von dem aus wir die Gegend erkunden können.
Unsere Reise wird uns in einen wilden ungezähmten Landstrich führen, in welchem Treue zum Reich und dem heiligen Vater wenig zählen. Da mein getreuer Heerführer, der hohe Herr von Thierstein zu anderweitigen wichtigen Obligenheiten entsandt wird, weise ich all unserer verfügbaren Truppen selbst an die uneingeschränkte Kampfbereitschaft herzustellen und ermahne die Brüder die sich bereits wieder auf das klösterliche Leben eingestellt haben, sich an ihre alten Tugenden zu erinnern. Die Zeit unseres Aufenthaltes wird darum vorwiegend von der Ertüchtigung allen Waffenhandwerkes und der Widerherstellung der gewohnten Disziplin geprägt sein.
Aber auch gar Feierliches steht uns als Belohnung für alle Leibesmüh bevor – so verkünde ich voller Vorfreude, dass der Augenblick gekommen ist unsere getreuen Mitstreiter Jörg vom Stein, Axel von Roetteln und Thomas von Wurzbach nach mehrfacher Bewährung als Ritterbrüder in den Kreis des Ordens aufzunehmen. Nach einer letzten Nacht des Gebetes und aufrichtiger Busse der Ausgewählten werden wir dieses freudige Ereignis in den frühen Morgenstunden mit der abschliessenden Weihe der drei Brüder gemeinsam feiern.
Zu unserer Unterstützung wird uns der geschätzte Herr Odo von Craien, Bruder des Tempels mit Herz und Schwertarm zur Seite stehen.
Dieser vertraute Kreis sei darauf hingewiesen, dass unsere Mission ohne das offizielle Wissen der lokalen hohen Fürsten und Bischöfe stattfindet – daher hängt unser Erfolg von der Diskretion jedes Einzelnen ab und ich erlaube mir hiermit alle Beteiligten um absolutes Stillschweigen zu ersuchen.
Lobet den Herren liebe Brüder und Schwestern, dass sich uns der Herr erneut auf wunderbare Art und Weise offenbart. Legen wir also Sense, Trotte und Schreibfeder noch ein weiteres Mal zur Seite und folgen dem Ruf unsere Klingen zu schärfen welche wir bereits beiseite gelegt haben.
Deus lo vult – Gott will es!
Mundus Iustis.
Timotheus vom Hahnenwinkel
Komthur von Gottes Gnaden